Unsere Nachbarländer
- Mehrere europäische Staaten haben im Herbst bereits einen Lockdown durchgemacht, darunter Irland und Österreich. Dort gingen die Fallzahlen langsamer zurück, sie halbierten sich nur alle zwei bis drei Wochen.
- Relativ zügig zeigte der Lockdown in Frankreich Wirkung. Dort blieben die meisten Schulen offen, dafür waren auch kleinste Treffen außerhalb des eigenen Haushalts verboten
- Wie schnell ein Lockdown wirkt, hängt von den Details im Regelwerk ab. Im Ausland galten teilweise strengere Ausgangsbeschränkungen als nun in Deutschland. Das oft als Vorbild genannte Irland ließ die Schulen geöffnet und reduzierte dafür die Auslastung im öffentlichen Nahverkehr.
- "Tatsächlich ist die Masse der Infektionen nicht in den Wohnheimen, sondern in der Normalbevölkerung", sagt Drosten. Besonders gefährdet seien also alte Menschen in häuslicher Pflege, dort bleibe das Virus häufiger unentdeckt.
- Im besten Fall halbieren sich die Fallzahlen bei strengen Corona-Maßnahmen einmal pro Woche, sagt die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation: "Von 200 auf 100, von 100 auf 50, von 50 auf 25." Nach drei Wochen wäre demnach das Ziel erreicht.
- Österreich geht ab dem 26. Dezember für mindestens drei Wochen in den 3. coronabedingten Lockdown. Ab dem 18. Januar sollen der Handel sowie erstmals seit November auch Kultur und Gastronomie wieder öffnen - allerdings nur für Menschen, die bei einem der dann landesweit umsonst angebotenen Corona-Schnelltests negativ getestet werden. "Für alle, die nicht bereit sind, sich testen zu lassen, gelten die Regelungen des Lockdowns bis 24. Januar, also eine Woche länger", sagte Kanzler Sebastian Kurz am Freitagabend.
Corona-Lockdown: Was bringen die Regeln und Maßnahmen überhaupt?
| Possoch klärt | BR24 | 19.11.2020 | Video LINK
Anti-Corona-Maßnahmen im Teil-Lockdown: Kinos zu, Fitness-Studios dicht, Cafés geschlossen. Dringende Appelle, möglichst niemanden zu treffen, Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren, um die Corona-Pandemie wieder in den Griff zu bekommen. Und wir alle fragen uns: Lohnt sich das? Mehr als 6.000 Anti-Corona-Maßnahmen hat eine aktuelle unabhängige Studie analysiert. Die Forscher rund um den Complexity Science Hub Vienna haben geschaut, welche Corona-Maßnahme wirkt – und welche nicht. Wie stark beeinflusst eine Maßnahme die Reproduktionszahl R? Sollen Kitas und Schulen offenbleiben? Hilft es wirklich gegen Corona, wenn dein Lieblingsrestaurant geschlossen ist? Possoch klärt! INHALT 00:00 Was bringen die Corona-Regeln überhaupt? 00:58 Die Top 20 Anti-Corona-Maßnahmen 01:29 Komplexitätsforscher Klimek zu Schulschließungen 03:20 Komplexitätsforscher Klimek zu Treffen im privaten Zuhause 04:41 Komplexitätsforscher Klimek zum Maßnahmen-Mix 06:28 Komplexitätsforscher Klimek zum harten Lockdown und Tracing-Strategien 08:10 Warum Krisenkommunikation so wichtig ist 09:58 Epidemiologin Grill über Transparenz in der Corona-Kommunikation 11:04 Epidemiologin Grill zu Geboten und Verboten 11:29 Ein Aufruf zur Diskussion Der Komplexitätsforscher Peter Klimek hat mit seinen Kolleg:innen Erkenntnisse aus 79 Regionen und 6.068 Anti-Corona-Maßnahmen analysiert. Den Link zur Studie findest du hier: https://www.nature.com/articles/s4156... Das internationale Wissenschaftsteam rund um den Complexity Science Hub Vienna (CSH) hat Tausende von Maßnahmen untersucht. Studienleiter Peter Klimek und seine Kollegen wollten wissen, wie diese Maßnahmen dazu beitragen, die Ausbreitung von Covid-19 zu vermindern. Konkret untersuchten sie, wie sehr die Maßnahme das Infektionswachstum in den zwei Wochen nach ihrer Einführung reduzieren konnte. Eine vorgezogene Sperrstunde um 21 Uhr und ein Alkoholverbot spielen kaum eine Rolle dabei, die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, so die Ergebnisse der Statistiker. Es mache keinen Unterschied, wann die Sperrstunde abends beginnt, stellt Studienleiter Klimek fest. Die Gefahr bestehe dann vielmehr darin, dass die Treffen im Privaten stattfinden. Bislang waren Hotels und Gaststätten laut der staatlichen Agentur für Ernährungssicherheit in Österreich keine Infektionsherde. In einer Untersuchung kommt sie zu dem Ergebnis, dass Hotels und Gaststätten nur 2,5 Prozent der Cluster ausmachen, in denen sich Menschen mit Corona infizierten. Die Wiener Wissenschaftler sind sich sicher, dass das Masketragen wirkt. Ihre Forschung zeigt, dass Länder, die früh dazu aufgerufen haben, auch am besten durch die erste Corona-Welle gekommen sind. Die Forscher sind aber auch darauf gestoßen, dass es für die Eindämmung von Covid-19 kaum eine Rolle spielt, ob es nun eine verordnete Maskenpflicht gibt oder lediglich eine Empfehlung zum Tragen der Maske. Das gelte auch für andere Maßnahmen, die nur empfohlen wurden. Ist das Maskentragen auch während des Unterrichts wirklich wirksam? Derzeit wird am Haunerschen Kinderspital in München eine Studie an Grundschulen und Kitas durchgeführt. Noch ist die Studie nicht abgeschlossen, aber es zeichnet sich ab, dass auch wenn die Kinder im Unterricht keine Maske getragen haben, bisher kein Infektionsgeschehen bei den Schülern zu beobachten ist. "Wir haben schon vor den Sommerferien eine Reihe von Kindern getestet, das waren fast 800 Teste, die wir durchgeführt haben", sagt Dr. Ulrich von Both zu der Virenwächter-Studie am Haunerschen Kinderspital. "Da haben wir kein Infektionsgeschehen nachweisen können." Die Reduzierung von Kontakten ist ein sehr wirksames Mittel, die Infektionszahlen einzudämmen, wie die Ergebnisse der Wiener Wissenschaftler zeigen. Weitere Links zum Thema Corona-Maßnahmen: https://www.csh.ac.at/publication/ran... https://www.cochranelibrary.com/cdsr/... https://www.cochranelibrary.com/cdsr/... https://www.daserste.de/information/n... https://www.br.de/nachrichten/wissen/... https://www.br.de/nachrichten/wissen/... Presenter: Dominic Possoch Videoproduktion: Simon Bachhuber Grafik: Multimedia Design Redaktion BR24: Marianne Falck, Hendrik Loven, Gudrun Riedl © BR24 Hier geht's zu unserer BR24-Website: http://www.BR24.de BR24-Facebook: http://www.facebook.com/BR24/ BR24-Twitter: http://twitter.com/BR24 BR24-Instagram: http://www.instagram.com/BR24 #Corona #Coronavirus #Covid19 #Maßnahmen #Maskenpflicht #Schulen #Schulschließungen #Lockdown #Grundrechte #Krisenkommunikation #coronavirusfacts #neuinfektionen #Infofluencer #br24
Was wirklich schützt
Süddeutschen WISSEN vom 13. Oktober 2020
Über die richtigen Corona-Maßnahmen wird gerade heftig gestritten. Ob Reisebeschränkungen, Masken im Freien oder Händedesinfektion: Welche Strategien effektiv sind. Von Dr. med. Werner Bartens, Dr. Christina Berndt, Felix Hütten und Kathrin Zinkant
Leitender Redakteur, Wissen Werner Bartens wurde 1966 in Göttingen geboren. Studium der Medizin, Geschichte und Germanistik in Gießen, Freiburg, Montpellier (F) und Washington D.C. (USA). Nach dem US-Staatsexamen Medizin (1992) Forschungsjahr an den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) in Bethesda (USA). 1993 Staatsexamen Medizin in Freiburg und Promotion zum Dr. med. mit einer Doktorarbeit über genetische Grundlagen des Herzinfarktes. 1995 Magisterexamen in Deutsch und Geschichte mit einer Abschlussarbeit über Rassentheorien im 19. und 20. Jahrhundert. Bartens arbeitete zwei Jahre als Arzt in der Inneren Medizin an den Unikliniken Freiburg und Würzburg, anschließend Postdoktorand in der Arbeitsgruppe des Nobelpreisträgers Georges Köhler am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg. Seit 1997 Buchautor, Übersetzer, Ko-Autor einer WDR-Seifenoper und tätig für SZ, Zeit, FAZ und taz. Von 2000 bis 2005 Redakteur im Reportage-Ressort der Badischen Zeitung und zuständig für Medizin; daneben Mitarbeit bei SZ, Zeit und taz. Seit 2005 ist Bartens Redakteur im Ressort Wissen der SZ, seit 2008 Leitender Redakteur. Er hat mehr als 20 populäre Sachbücher veröffentlicht, darunter etliche Bestseller wie "Das Lexikon der Medizin-Irrtümer", "Körperglück", "Heillose Zustände", "Was Paare zusammenhält" und "Wie Berührung hilft". Bartens ist zu Fragen der Medizin und Gesundheitspolitik oft im Fernsehen zu Gast. Er wurde vielfach mit Journalistenpreisen geehrt und 2009 als "Wissenschaftsjournalist des Jahres" ausgezeichnet. Weitere Infos: www.werner-bartens.de
Dr. Christina Berndt, geboren 1969 in Emden, beschäftigt sich bei der Süddeutschen Zeitung mit den Themenbereichen Medizin, Psychologie und Lebenswissenschaften. 1988 begann sie ihr Studium der Biochemie mit dem erklärten Ziel, Wissenschaftsjournalistin zu werden. Mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte sie in Hannover und an der Universität Witten/Herdecke. Im Anschluss daran arbeitete sie zunächst wissenschaftlich - während ihrer Doktorarbeit am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, für die sie mit dem Promotionspreis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ausgezeichnet wurde. Schon während ihrer Promotion schrieb sie für die Rhein-Neckar-Zeitung über Medizin und Forschung. Es folgten Praktika bei der Deutschen Presseagentur, dem Spiegel, dem Süddeutschen Rundfunk, Bild der Wissenschaft und der Süddeutschen Zeitung, zu deren Redaktion sie seit März 2000 gehört. Sie erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen: European Science Writers Award (2006), Wächterpreis für die Enthüllung der Transplantationsskandale (2013), Wissenschaftsjournalisten des Jahres 2013 (3. Platz), Karl-Buchrucker-Preis (2018). Nominierungen für den Henri-Nannen-Preis (2013), den Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus (2014) und den Deutschen Reporterpreis (2015 und 2017). Ihre Bücher "Resilienz - Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft" und "Zufriedenheit - Wie man sie erreicht und weshalb sie lohnender ist als das flüchtige Glück" wurden Bestseller.
Felix Hütten ist Redakteur in der Wissensredaktion, verantwortlich für das Wissen am Wochenende. Er hat in Dresden, Berlin und Lyon Medizin und Politikwissenschaft studiert. Im Anschluss Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München. Sein Buch "Sterben lernen" ist 2019 im Hanser-Verlag erschienen.
Kathrin Zinkant, geboren 1974, begleitet das
Schicksal der Wissenschaft für die SZ in Berlin. Sucht nach
wissenschaftlicher Evidenz in der Bundespolitik, genauso wie nach Hand
und Fuß in den aktuellen Forschungsdebatten. Die Ethik ist immer mit
dabei. Hat Biochemie studiert und für die FAS, die Zeit, den Freitag und die taz gearbeitet. Ist naturgemäß ein Fan der Fernsehserie "Cosmos: A Personal Voyage".