Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Illustration: Stefan Dimitrov  Bei QAnon dreht sich alles um die kryptischen Nachrichten des mysteriösen Q, die sogenannten QDrops. Drops wie Tropfen, aber auch wie droppen, hinwerfen. Q wirft seinen Anhängern Textfetzen vor die Füße, aus denen sie selbst etwas machen sollen.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Seit Beginn werden diese Drops interpretiert und durchnummeriert, Anons verweisen auf die Textschnipsel wie auf Psalmen oder Suren. 
Süddeutsche vom 27. Oktober 2020, Von Lena Kampf und Hannes Munzinger, Mitarbeit: Sebastian Pittelkow, Katja Riedel und Teresa Roelcke

Der brave Anon


Aus einem Plattenbau in Ostberlin heraus kümmert sich Falk O. darum, dass die Verschwörungs­erzählungen von QAnon zu den ganz normalen Leuten kommen. Die Geschichte eines Handlangers.


Seit dem Beginn der Pandemie verbreitet sich die Verschwörungsideologie QAnon in Deutschland mit rasender Geschwindigkeit. Ihren Anhängern geht es längst nicht mehr nur um irrsinnige Vorstellungen von Politikern, Kindesmissbrauch und satanistischen Ritualen. Sie verbreiten auch haarsträubende Fantasien zu Impfstoffen, zu vermeintlich verschwiegenen Gefahren und Mikrochips im Blut. Die Bewegung hetzt ihre Anhänger gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf, und natürlich auch gegen die gewählten Politiker. QAnon will etwas einreißen, mindestens das Vertrauen in demokratische Prinzipien erodieren.

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Am Ende versteht er sein Verwirrspiel offenbar selbst nicht mehr. Vielleicht hatte er nicht damit gerechnet, dass man ihn dort finden könnte, wo er seine bürgerliche Identität nicht verschleiern kann. An seiner Haustür.

Es ist erst kurz nach acht und schon stockdunkel an diesem Donnerstagabend. Ein kolossaler Plattenbau in Ostberlin, grelles Neonlicht. Das Klingelbrett hat 33 Knöpfe, linke Reihe, der oberste ist es.

Erst auf das zweite Klingeln folgt ein fragendes "Hallo". Am anderen Ende der Sprechanlage ist einer der eifrigsten Arbeiter der QAnon-Bewegung in Deutschland. Man möchte mit Falk O. so vieles besprechen. Zum Beispiel, ob er wirklich glaubt, dass Politiker und Hollywoodstars Kinder foltern? Ob er wirklich glaubt, dass sie den Kindern oxidiertes Adrenalin abzapfen? Und ob er wirklich glaubt, dass sie dieses sogenannte Adrenochrom trinken, als Droge und Verjüngungskur?

Adrenochrom, da geht's ja schon los. Männer wie Falk O. verbreiten, dass die Mächtigen dieser Erde es Kindern in geheimen Kellern entnehmen würden. Dabei lässt sich Adrenochrom problemlos im Labor herstellen, jeder kann es im Internet bestellen. Wissenschaftler haben es übrigens längst als völlig wirkungslos entlarvt.

Man würde Falk O. also gerne fragen, warum er es sich zur Aufgabe gemacht hat, möglichst vielen Menschen Unsinn wie diesen als Wahrheit zur Verfügung zu stellen. Und ob er auch glaubt, dass nur Donald Trump die Welt von den kinderfolternden Eliten befreien kann? Oder ob QAnon ganz bewusst so verworren, so unübersichtlich ist, damit Verschwörungsgläubige und Extremisten aus allen politischen Lagern andocken können? Seien es Antisemiten, Rechtsradikale oder Reichsbürger.

Aber Falk O. will an diesem Abend nicht reden. Zumindest nicht durch die Gegensprechanlage. Man hinterlässt ihm eine Nachricht, per Mail. Es dauert nur ein paar Minuten, dann meldet er sich, zumindest online: Er stellt die Nachricht auf seine Webseite. Online wirkt er selbstsicherer als an der Gegensprechanlage. Online hat die Bewegung, der Falk O. vermutlich einen Großteil seiner Freizeit widmet, gerade ein Momentum.

Seit dem Beginn der Pandemie verbreitet sich die Verschwörungsideologie QAnon in Deutschland mit rasender Geschwindigkeit. Ihren Anhängern geht es längst nicht mehr nur um irrsinnige Vorstellungen von Politikern, Kindesmissbrauch und satanistischen Ritualen. Sie verbreiten auch haarsträubende Fantasien zu Impfstoffen, zu vermeintlich verschwiegenen Gefahren und Mikrochips im Blut. Die Bewegung hetzt ihre Anhänger gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf, und natürlich auch gegen die gewählten Politiker. QAnon will etwas einreißen, mindestens das Vertrauen in demokratische Prinzipien erodieren.

Und das alles auf Geheiß einer Figur, die sich im Netz "Q" nennt. Einer Figur, von der keiner weiß, wer sie ist, mehr noch, ob sie überhaupt existiert.

Inzwischen haben sich mehrere Prominente zu Inhalten von QAnon bekannt. Der Musiker Xavier Naidoo zum Beispiel oder der Vegankoch Attila Hildmann, der sich zuletzt immer wieder rechtsextremistisch geäußert hat. Vor allem aber schließen sich Bürger an, die über die Kanäle der Corona-Leugner mit der Bewegung in Kontakt kommen. Zum Beispiel über die App Telegram. Dort hat QAnon Hunderttausende Anhänger.

Die Frage ist, wieso so viele Menschen in diesen Zeiten den finsteren Märchen eines Unbekannten vertrauen. Und wie diese Verschwörungsideologie aus obskuren Internetforen in die Kanäle der breiten Masse gelangt. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung sorgen dafür offenbar auch Männer wie Falk O.

Der Verfassungsschutz beobachtet bisher nur Anhänger von QAnon, die auch als Rechtsextremisten oder Reichsbürger aufgefallen sind. Man prüfe noch, ob QAnon selbst ein offizieller Prüffall werde. Denn die Sicherheitsbehörden stehen vor einem Rätsel: Wie gefährlich ist diese Bewegung? Und was genau ist ihr Ziel?

Falk O. könnte möglicherweise Antworten geben, er arbeitete in der Vergangenheit als Softwareentwickler in Berlin. Im Netz kursiert ein Interview aus dem vergangenen Jahr, in dem er von sich sagt, dass er Mitte dreißig sei. Auf den wenigen Bildern, die man von ihm findet, wirkt er eher freundlich, eher unauffällig. Aber O. setzt seine Fähigkeiten als Programmierer ein, um eine gefährliche Verschwörungserzählung zu verbreiten. Er ist ein Handlanger des mysteriösen Q, ein Adlatus des Propheten der QAnon-Bewegung.

Im Netz nennt O. sich "ResignationAnon". Anon, das steht für Anonymus. Es ist ein Spitzname, der zugleich Identifikation ist. Wer sich Anon nennt, fühlt sich einer Szene zugehörig, der Szene der sogenannten Imageboards. Auf Webseiten wie "4chan" und "8kun" posten die Nutzer anonym, Anons eben. Was sie posten, gehört zum Dreckigsten, was das Netz zu bieten hat: Hass gegen Frauen, Juden, Schwarze, dazu Gewaltfantasien, Endzeiterzählungen. Schutz bietet die Anonymität. Und ein Slang aus Codes und Referenzen, der für Gelegenheitsbesucher solcher Plattformen im Netz kaum zu verstehen ist.

Der mutmaßliche Täter des Anschlags auf die Synagoge in Halle war auf denselben Imageboards sozialisiert wie offenbar auch Falk O. Der Attentäter begann den Livestream seiner Bluttat mit den Worten: "Hey, mein Name ist Anon."

Um zu erfahren, wie QAnon begann, muss man drei Jahre zurückgehen. Im Oktober 2017 trat jener Nutzer in Erscheinung, der sich später Q nannte und zum Namensgeber und Vorbeter der Bewegung wurde. Donald Trump war damals schon Präsident, aber der Hass auf seine Herausforderin Hillary Clinton brachte die Foren immer noch verlässlich zum Glühen.

Schon Qs erste Nachricht erwies sich als frei erfunden: "HRC Auslieferung bereits im Gange, wirksam seit gestern mit diversen Ländern, im Falle eines Grenzübertritts." HRC, Hillary Rodham Clinton, werde also festgenommen und ausgeliefert, falls sie die USA verlasse.

Q behauptete später, ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter zu sein, mit sogenannter "Q clearance", einer Sicherheitsüberprüfung im Energieministerium der USA. Es gibt dafür bis heute keine Belege. Jeder könnte das auf einem anonymen Forum behaupten. Manche vermuten hinter Q den Betreiber des Imageboards 8kun, auf dem Q sich heute äußert. Bewiesen wurde auch das nie.

Vielen Anons scheint egal zu sein, wer Q ist, sie standen trotzdem ab den ersten Posts in seinem Bann. Auch Falk O. Er habe die Nachricht, wenige Stunden nachdem sie auftauchte, auf einem deutschen Imageboard gesehen, sagt er in jenem Interview mit einem anderen QAnon-Anhänger, das im Netz kursiert. "Und ich dachte mir, hey, das klingt wirklich, wirklich interessant", sagt O. Seit dem ersten oder zweiten Tag sei er dabei.

Bei QAnon dreht sich alles um die kryptischen Nachrichten des mysteriösen Q, die sogenannten QDrops. Drops wie Tropfen, aber auch wie droppen, hinwerfen. Q wirft seinen Anhängern Textfetzen vor die Füße, aus denen sie selbst etwas machen sollen. Seit Beginn werden diese Drops interpretiert. Sie werden durchnummeriert, Anons verweisen auf die Textschnipsel wie auf Psalmen oder Suren. Nicht zuletzt wohl auch, weil manche davon mystisch, beinahe religiös klingen. QDrop 4938 zum Beispiel: "Bitte bringt das Brot in Ordnung und räumt das Schiff auf. Q."

Es ist eine Mitmachbewegung, ein digitales Puzzlespiel. Q selbst hat seine Nachrichten als "Brotkrumen" bezeichnet, die er fallen lasse. Die Anons verstehen sich als Bäcker, die diese Krumen zusammensetzen. So schief wie dieses Bild sind die Thesen, die aus den Informationskrümeln entstehen. Jeder schafft hier seine eigenen Fakten. Gemeinsam ist den Anhängern nur ihr Hass auf den Status quo, den sie verändern wollen. Aber in welche Richtung?

Geht es Q darum, Zweifel zu säen? An der bestehenden Ordnung, an Eliten, an Fakten. Vielleicht ist Q auch nur ein zynischer Scherz aus einer scheußlichen Ecke des Internets, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Die Auswirkungen können drastisch sein. In den USA hatte schon im Dezember 2016 ein 29-jähriger Familienvater in einer Pizzeria in Washington um sich geschossen, weil er glaubte, im Keller würden Kinder von einem Missbrauchsring festgehalten. Der Keller dieser Pizzeria ist heute einer der Urmythen von QAnon. Nur: Die Pizzeria hatte keinen Keller.

In den USA warnt das FBI inzwischen davor, dass QAnon zu einer Terrorgefahr werden könnte. Präsident Trump, dem Heilsbringer der Q-Gläubigen, hingegen scheinen selbst solche Anhänger recht zu sein. Im August 2020 wurde er bei einer Pressekonferenz zu QAnon gefragt. Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte, er wisse nicht viel über die Bewegung, "außer dass sie mich sehr mögen".

Mehrere Kandidaten, die kommende Woche in den Kongress gewählt werden wollen, haben sich offen zu QAnon bekannt. Da ist zum Beispiel Jo Rae Perkins, die republikanische Bewerberin für den Senat aus Oregon. Nach ihrer Nominierung sagte sie in einem Video: "Ich stehe an der Seite von Q und dem Team. Danke Anons und danke euch Patrioten." Sie steht also an der Seite von Menschen, die Nachrichten wie den QDrop 435 für bedeutsam halten: "'Yellow Brick Road'. F-I Rede - Geschichte. Zauberer & Hexenmeister. Alice & Wunderland. Gelöst? Q."

Schwer zu sagen, was Falk O. von Qs Botschaften hält. Leichter zu sagen ist, welche bitteren Folgen QAnon haben kann. In Onlineforen beschreiben User, wie ihre Familien auseinanderbrechen, weil ein Elternteil oder Geschwister der Bewegung verfallen sind. Und politische Beobachter befürchten, dass eine Niederlage Donald Trumps seine QAnon-Anhänger weiter radikalisieren könnte, weil ihnen der Heiland abhandenkäme.

In Deutschland findet QAnon vor allem seit Ausbruch der Corona-Pandemie mehr Beachtung. Als Xavier Naidoo im April in einem Video um die vermeintlich gefolterten Kinder weinte, landete dieses Video auch auf dem Youtube-Kanal des QAnon-Influenzers Oliver Janich. Janich ist ehemaliger Journalist und ein prominenter Lautsprecher der deutschen QAnon-Szene. Sein Video zu Naidoo wurde 495 000 Mal angesehen. Und die zweite Welle der Pandemie könnte Akteuren wie ihm und der Bewegung weiteren Schub geben.

"Wir sehen leider, dass im Moment die Bewegung exponentiell anwächst, und das hängt vermutlich damit zusammen, dass wir es jetzt mit einer zweiten Welle von Corona zu tun haben, dass diese Perspektivlosigkeit und die Ängste ganz gezielt ausgenutzt werden von QAnon", sagt Julia Ebner am Telefon. Die 29-jährige Wienerin forscht am Institut für strategischen Dialog in London über digitale Strategien von Extremisten. Es gebe ein Informationsvakuum, das QAnon mit Falschinformationen zu füllen versuche. "Rechtsextreme und Reichsbürger nutzen das für ihre Zwecke und versuchen, die Bewegung in ihre ideologische Richtung zu treiben und eigentlich zu kapern", sagt Ebner. Regelmäßig mischt sie sich im Netz undercover unter Terroristen, Hacker oder Verschwörungsmystiker. In Foren und auf Imageboards, der Welt von Falk O. und QAnon. Auf solchen Webseiten ist es oft unübersichtlich, kleinteilig, nicht massenkompatibel. Die wenigsten Menschen, die erstmals mit der Q-Verschwörung in Kontakt kommen, tun es dort. Sondern auf Youtube, Facebook oder Messengern wie Telegram.

Falk O. betreibt deshalb unter seiner Tarnidentität ResignationAnon Webseiten, auf denen er alle Nachrichten von Q automatisch archiviert. Er holt die Drops und Krümel aus den Nischen des Netzes auf die Mobiltelefone, als konsumierbare Happen. Er ist keiner, der sie interpretiert, kein Prophet, schon gar kein Influencer. Er sammelt, bereitet auf, präsentiert. Sogar einen Übersetzungsservice bietet er an, die Verlautbarungen werden durch ihn und durch Helfer, um die er auf seiner Webseite wirbt, bereits in sechs Sprachen übersetzt. Momentan sucht er Unterstützung für Japanisch: "Wenn Sie bereit sind, Q-Posts zu übersetzen (...), schreiben Sie mir eine E-Mail."

Plattformen wie seine nennen Forscher Aggregatoren. Sie senken die Schwelle, mit den Q-Drops in Berührung zu kommen. Die weltweit wohl bekannteste dieser Seiten hieß QMap und wurde monatlich zehn Millionen Mal angesteuert. Vor wenigen Wochen ging die Seite vom Netz, nachdem ihr Betreiber von Forschern des Faktencheck-Start-ups "Logically" enttarnt wurde. ResignationAnon, Falk O. also, rückte sofort nach. Seine Webseite "Qresearch" hatte schlagartig 100 000 Besucher mehr als in den Monaten zuvor. Wer auf Twitter über die abgeschaltete Seite QMap schreibt, erhält von ihm direkt eine Antwort, die auf seine Plattform verweist. Es scheint, als habe er Größeres vor.

Netzwerke wie Youtube und Facebook begannen vor Kurzem, Kanäle mit Q-Inhalten zu sperren. Falk O.s Plattformen könnten auch dadurch noch wichtiger werden.

"Die Rolle von ResignationAnon ist Moderator und Administrator von QAnon-Kanälen auf verschiedenen Plattformen", sagt Julia Ebner. Falk O. sei "international vernetzt, einer, der die Regeln aufstellt und darauf achtet, dass es läuft. Seine Funktion ist eine technische Brückenfunktion, um diese Verschwörungserzählungen nach Deutschland zu bringen."

Der wichtigste deutsche QAnon-Kanal auf Telegram heißt "Qlobal-Change", hier erreichen die QDrops, Bilder und Videos mehr als 126 000 Menschen. Und auch die Macher halten Falk O. für eine Größe der Bewegung. Am 21. September gratulierten sie ihm zu seinem 1000-tägigen Jubiläum im Netzwerk. "Er ist einer der ersten und bemerkenswertesten deutschen Anons, der sehr bedeutende Arbeit für die QBewegung leistet", heißt es dort.

Aber Falk O. geht auch für die Bewegung auf die Straße. Tage nach der ersten großen Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in Berlin schreibt er in einem Telegram-Kanal: "die demo vom 01.08. fand ich großartig (ich war dabei!) - und werde am 29.08. auch wieder dabei sein". Am 29. August überrannten Demonstrierende die Polizeiabsperrung auf den Treppen des Reichstagsgebäudes. Es gingen Bilder um die Welt, wie Reichsbürger und Rechtsradikale versuchten, das demokratische Herz Deutschlands zu stürmen.

Auf Telegram schreibt Falk O., dass er seit mehr als zweieinhalb Jahren im Umfeld der Bewegung aktiv sei. In jenem Interview, das er 2019 als ResignationAnon gab, berichtet er, dass er einmal Zweifel an seinem Engagement für "Q" bekam. Die Stimme klingt sehr ähnlich wie die Stimme am Donnerstagabend an der Sprechanlage. Eher hoch, etwas aufgeregt, in flüssigem Englisch mit deutschem Akzent.

Er habe, erzählt er in dem Interview, einige Wochen lang eine sogenannte "Resignation List" zusammengestellt. Eine Liste bekannter Menschen, die von ihren Posten entlassen worden oder zurückgetreten waren. Q hatte das in seiner Botschaft 413 so verlangt. O. fühlte sich offenbar verpflichtet. Er habe versucht, ein Muster zu erkennen, aber die Fälle seien nicht wirklich interessant gewesen. "Da habe ich gedacht: Mann, ich bin mir nicht sicher, ob Q wirklich echt ist", erzählt er seinem Gesprächspartner. Er habe nicht mehr gewusst, ob er weitermachen solle mit der Liste. Doch dann sei nur wenige Stunden später ein neuer QDrop aufgetaucht, Nummer 693. "Q" befahl: "Stelle sicher, dass die Rücktrittslisten immer auf dem neuesten Stand sind (...). Ihr werdet staunen."

O. hat weitergemacht. Bis heute stellt er Listen zusammen, nicht nur über Rücktritte, sondern auch über Todesfälle, Ermittlungen zu Kinderpornografie oder Menschenhandel. Die Daten seien sehr wichtig für die Forschung, sagt er, und um herauszufinden, welche Verbindungen dazwischen bestünden. Es ist wie ein nie endendes Puzzlespiel. Und es ist die Art "Recherche", der die Anhänger der Bewegung vertrauen. Nicht der Recherche von Journalisten, nicht den Erkenntnissen von Wissenschaftlern. Sondern den wirren Fleißarbeiten von anonymen Aktivisten wie Falk O.

Aber das Netz ist erbarmungslos. Nicht nur dort, wo ResignationAnon Verschwörungserzählungen voller Falschinformationen sammelt. Auch dort, wo wahre Informationen über ihn selbst gespeichert sind.

Diese Informationen führen in jene Plattenbausiedlung an einer der großen Ausfallstraßen im Osten Berlins. Ein modernisierter Klotz mit fünf Hausnummern. Falk O. wohnt ganz oben. Als er nach dem zweiten Klingeln reagiert, fragt man ihn durch die Sprechanlage, ob man mit ihm über Q sprechen dürfe. "Da sind Sie beim Falschen", sagt er. Beim Falschen? Falk O. hat sich offenbar eine Legende zurechtgelegt. Um als ResignationAnon nicht aufzufliegen, tut er so, als sei der Mensch, der an dieser Adresse wohnt, nur ein Strohmann. Als nutze er nur dessen Adresse, um seine Webseiten zu registrieren.

Er muss damit gerechnet haben, dass irgendwann mal das Telefon klingelt oder jemand an seiner Haustür steht. Er hatte mehrere Kontaktanfragen von Journalisten bekommen in letzter Zeit. Alle hatte er sofort auf seine Webseite gestellt. Doxxing heißt das in der Netzkultur: bloßstellen.

Es gefällt Falk O. aber offenbar auch, dass er jetzt für Journalisten und Forscher interessant ist. Zumindest feiert er auf Twitter jede neue Erwähnung seiner Projekte in den "MSM", wie er sie nennt, den Mainstreammedien. Jetzt stehen Reporter dieser Medien vor seiner Tür, aber er behauptet, "der Falsche" zu sein. Auf Twitter postet er sofort, dass er von "Reportern" von SZ und ARD besucht worden sei, Reporter in Anführungszeichen. Seine Anhänger machen sich sofort Sorgen. "Bist du in Sicherheit?", schreibt jemand. "Pass auf dich auf!", schreibt eine andere.

Also ruft man ihn an. Am nächsten Tag. Ob er nicht doch darüber sprechen möchte, was er für die QAnon-Bewegung macht? "Ah nee, das möchte ich nicht, danke, tschüss", sagt Falk O., nachdem er seinen Namen bestätigt hat. Später postet ResignationAnon, dass ihn die Journalisten angerufen haben. Um zwei Personen kann es sich spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr handeln. Sein Verwirrspiel ist aufgeflogen.

Mitarbeit: Sebastian Pittelkow, Katja Riedel und Teresa Roelcke

 

 

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Weniger…

Verschwörungstheorien: »Das Ergebnis ist vorgegeben, die Fakten werden angepasst«

Wie sollten wir mit so genannten alternativen Fakten umgehen? Dokumentarfilmer Dirk Steffens bezieht Position: »Für mich gibt es eine Grenze, wenn die Meinung Menschen verachtend ist.«

von Christiane Gelitz

 Rund jeder zehnte Deutsche widerspricht wissenschaftlichen Fakten wie dem menschengemachten Klimawandel, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung. Wie sollten die Medien mit Meinungen umgehen, denen gesicherte Erkenntnisse entgegenstehen? Der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens, bekannt als Moderator und Dokumentarfilmer der ZDF-Dokureihe »Terra X«, hat dazu eine klare Haltung.

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Esoterikgläubige, Verschwörungstheoretiker und Nazis demonstrieren derzeit gemeinsam gegen die deutsche Regierung. Was läuft da falsch? 

Man sollte meinen, dass die drei Gruppen nichts miteinander zu tun haben. Doch was sie verbindet, ist der Zweifel an allgemein akzeptierten Wahrheiten, an Institutionen und Behörden, an Politik und Medien. Deshalb ist es zwar kurios, aber auch nicht erstaunlich, dass sie gemeinsam demonstrieren. Was sie letztlich zum Ausdruck bringen wollen: Dieses System betrügt uns, wir wollen es abschaffen. Für alles haben sie dasselbe Erklärungsmuster. Sie weisen einer bestimmten Gruppe kollektiv die Schuld zu: der Regierung, den Behörden, Reichen, Eliten, Moslems oder Juden. Darin liegt das verbindende Element von Verschwörungstheorien und totalitären Weltanschauungen, und deshalb sind sie gefährlich Mehr…

Tragen die Medien dazu bei, dass sich diese Anschauungen verbreiten?

Ja. Was die Medien falsch gemacht haben, kann man gut an vergangenen Diskussionen um die Klimakrise aufzeigen. Ich habe selbst bis vor wenigen Jahren als Gast in Talkshows erlebt, dass Journalistinnen und Journalisten von »abweichenden wissenschaftlichen Meinungen« zum Thema menschengemachter Klimawandel sprachen. Wie im Politikjournalismus glaubte man, das gesamte Spektrum abbilden zu müssen und die Wahrheit irgendwo in der Mitte zu finden. Aber für die Wissenschaft gilt: Die Wahrheit liegt allein in der Wahrheit. Es kommt nur Unsinn dabei heraus, wenn man die Mitte sucht zwischen einer kugelförmigen und einer scheibenförmigen Erde. Zu glauben, man müsse auch abseitigen Ansichten eine Plattform bieten, ist ein journalistischer Kernfehler. Das schafft den Eindruck, dass der Unsinn eine Berechtigung hat.

»Wir müssen uns fragen, ob wir abseitigen Meinungen ein Forum geben wollen«

In einem Interview mit dem Deutschen Journalistenverband sagten Sie: »Wir dürfen unsere Zeit nicht mit Vollidioten verschwenden.« Damit meinten Sie Klimaforschungsleugner. Gilt das auch für Coronavirusleugner?

Selbstverständlich. Wir dürfen unsere Zeit nicht mit Idioten verschwenden, nicht bei der Klimakrise, nicht beim Artensterben, nicht bei der Corona-Krise. Die Probleme sind zu groß und zu wichtig. Wir müssen überlegen, wann wir die Schulen aufmachen und wo wir Mundschutz tragen sollten. Dazu kann man auch verschiedener Meinung sein. Dass das Coronavirus nicht existiere oder harmlos sei, kann man allerdings nicht als Meinung gelten lassen.

Wo wollen Sie die Grenze ziehen? Wann wäre es falsch, Pro und Kontra darzustellen?

Immer dann, wenn eine Seite ganz offensichtlich Unsinn ist. Wir müssen uns als Journalisten und Journalistinnen fragen, ob wir abseitigen Meinungen ein Forum geben wollen. Es entsteht schon fast der Eindruck, als lehne eine breite Bevölkerungsgruppe die Corona-Schutzmaßnahmen der Bundesregierung ab. Das ist falsch. Laut einer Umfrage der Universität Erfurt halten 17 Prozent die Maßnahmen für übertrieben. Eine Minderheit, die so laut ist, dass sie in den Medien wie eine große Bewegung erscheint. Aber das ist keine relevante Strömung in Deutschland.

»Für mich gibt es eine Grenze, wenn die Meinung Menschen verachtend ist«

Wann können wir dann überhaupt über Verschwörungstheorien berichten?

Wir können als Journalistinnen und Journalisten nicht verschweigen, was uns begegnet. Wir haben jedoch manchmal eine bedenkliche Lust daran, über Abseitiges zu berichten, weil das interessante Geschichten sind, die gerne gelesen und angeschaut werden. Wir geben dieser Neigung zu oft nach. Da schließe ich mich ausdrücklich mit ein. Wir sollten häufiger abwägen, ob wir dafür die Wahrheit opfern wollen.

Bekommen Sie Zuschriften von Zuschauern, die auch Sie als Person als Teil einer Verschwörung betrachten?

Ja, selbstverständlich. Das erstreckt sich von Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen. Ich berichte bei den Mainstream-Medien über Mainstream-Wissenschaft und bin damit eine perfekte Projektionsfläche, vor allem für rechte Verschwörungstheorien. Aber 90 Prozent der Drohungen und Schmähungen stammen von zehn Prozent der Leser, und die 90 Prozent Vernünftigen melden sich selten oder nie. So entsteht ein verzerrtes Bild der öffentlichen Meinung. Über einen Shitstorm bei Facebook oder Twitter liest man auch in seriösen Medien; so wird er Teil des öffentlichen und damit auch des politischen Diskurses. Da ist journalistische Verantwortung gefragt. Nur weil ein paar tausend Menschen im Internet auf etwas schimpfen, ist das noch lange kein Grund für Berichterstattung.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie solche Mails bekommen?

Sobald die Zuschriften mich oder andere Personen beleidigen, bedrohen oder Fäkalsprache benutzen, sperre ich die Absender. Würde ich auf alle einzeln eingehen, könnte ich sonst nichts mehr tun. Stattdessen versuche ich mit meiner Arbeit aufzuklären: Warum glaubt der Mensch so gerne an Verschwörungstheorien? Dazu haben mein Kollege Harald Lesch und ich eine »Terra X«-Sendung gedreht.

Wie halten Sie es privat, wenn ein Freund oder Familienmitglied eine Ansicht vertritt, die für Sie inakzeptabel ist?

Wenn jemand aus dem Freundes- oder Familienkreis sagen würde: Die Amerikaner sind doch gar nicht auf dem Mond gelandet? Dann fühle ich zunächst vor, ob die Person Sachargumenten zugänglich ist. Ist das nicht der Fall, versuche ich das Thema zu umgehen. Manche Verschwörungsfantasien kann man einfach ignorieren. Aber für mich gibt es eine Grenze, wenn die Meinung Menschen verachtend ist oder wenn Kinder zuhören. Zum Beispiel, wenn jemand behauptet, die US-Regierung habe von den Terroranschlägen vom 11. September vorher gewusst und sie bewusst geschehen lassen. Er unterstellt damit einer demokratisch gewählten Regierung einen Massenmord. An diesem Punkt hört es auf, da fange ich an, mich zu streiten. Wenn daran Freundschaften zerbrechen, muss man das wohl in Kauf nehmen.

Ist Ihnen das schon passiert?

Ja.

Wie ist es mit Ansichten, die vor wenigen Jahren noch der Gesetzeslage entsprachen, zum Beispiel die gleichgeschlechtliche Ehe abzulehnen?

Das Prinzip ist dasselbe. Wenn jemand meint, Homosexuelle sollten nicht heiraten dürfen, dann ist das menschenfeindlich. Wir waren einmal für eine »Terra X«-Sendung im Süden der USA. Am Drehort haben uns die Einheimischen aufgenommen wie gute alte Freunde. Doch wäre ich schwul oder jüdischen Glaubens, dann wäre es anders gelaufen. Man darf sich nicht davon täuschen lassen, wenn Menschen nett erscheinen.

Argumente helfen in solchen Fällen nur selten. Der Versuch kann sogar nach hinten losgehen, wie eine Studie mit überzeugten Impfgegnern zeigte. Was bleibt da noch? 

Wir müssen als Tatsache anerkennen, dass es eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die sich Sachargumenten verschließt. Aus einer naiven pädagogischen Haltung heraus tun wir oft so, als könnten wir Rassisten und Verschwörungsfantasten mit guten Argumenten bekehren. Aber die Realität zeigt, dass das meist nicht funktioniert. Wir verschwenden unsere Zeit, wenn wir sie immer wieder mit Sachargumenten konfrontieren. Wir müssen uns fragen, wie wir mit ihren Äußerungen im Netz umgehen. Brauchen wir neue Gesetze, um menschenfeindliche Kommentare zu löschen und zu verhindern, dass QAnon-Anhänger ihre Ansichten verbreiten?

Mit der Corona-Pandemie breiten sich auch Verschwörungstheorien aus. Woran liegt das?

Das liegt zum einen am Internet als großem Katalysator. Zum anderen haben Verschwörungstheorien immer dann Konjunktur, wenn die Weltlage besonders unübersichtlich ist und als bedrohlich empfunden wird. Da ist die Corona-Krise geradezu modellhaft. Die Bedrohung kam aus einem fernen Land, und sie ist unsichtbar. Man wusste anfangs nicht, wie sie entstanden ist und wie wir uns schützen können.

Weshalb sollte eine Verschwörungstheorie helfen, mit der Situation klarzukommen?

In dieser Situation ist es verlockend, für die komplexe Sachlage eine einfache Erklärung zu finden. Zum Beispiel: Die Chinesen hätten das Virus in einem Geheimlabor in Wuhan entwickelt. Oder: Das neue Coronavirus gebe es gar nicht. Oder: Das Virus sei völlig ungefährlich. Der gemeinsame Kern von Verschwörungstheorien ist das Prinzip der Mustererkennung. Alles wird in dieses Muster eingefügt. In der Evolution hat sich das bewährt, in der komplexen und globalisierten Welt verleitet es jedoch zu Fehleinschätzungen.

Wie kommt man dagegen an?

Indem man sich zurücklehnt, alle Fakten betrachtet und nachdenkt. Das ist sehr lästig, Zeit raubend und anstrengend, deshalb vermeiden wir es gerne.

»Man muss sich immer wieder klarmachen, was die eigene Überzeugung ist – und dass sie falsch sein kann«

Sämtliche Fakten kritisch zu prüfen ist eine der journalistischen Pflichten. Aber wir sind alle Menschen mit eigenen Überzeugungen. Wie sorgen Sie dafür, dass Sie nicht das zur Wahrheit erklären, was Sie von vornherein für richtig halten?

Journalistinnen und Journalisten können nicht objektiv sein, auch ich natürlich nicht. Man muss sich immer wieder klarmachen, was die eigene Überzeugung ist – und dass sie falsch sein kann. Ich kann mich irren, und dann muss ich mich korrigieren. Das ist eine wichtige Haltung im Journalismus, weil er öffentlich wirkt und viele Menschen erreicht. Darin liegt allerdings auch ein Problem. Viele Verschwörungstheoretiker halten sich für unabhängige, kritische Denker. Das Anzweifeln ist zutiefst wissenschaftlich, aber auch zutiefst verschwörungstheoretisch. Der Unterschied: In der Wissenschaft ist Zweifel eine Methode, und das Ergebnis ist offen. Es setzt sich durch, was belegt und nicht falsifiziert werden kann. Bei der Verschwörungstheorie ist das Ergebnis vorgegeben, und die Fakten werden angepasst. Deshalb sind Menschen, die behaupten, das Coronavirus gibt es nicht, keine kritischen Denker, sondern Spinner.

Geht es im Journalismus zu viel um Gedanken und zu wenig um Taten? Das größte Problem in der Klimakrise ist doch längst nicht mehr, eine gemeinsame Wahrheit zu finden, sondern die fehlende Bereitschaft, daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Ja, in der Ökologie haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem. Wir haben das Problem verstanden und kennen die Maßnahmen, die notwendig wären, es zu lösen. Aber wir schaffen es nicht, weil wir zu bequem sind und zu kurzfristig denken. Dabei sind wir durchaus fähig zu radikalen Veränderungen, wie man in der Corona-Krise sehen konnte. Als die Bilder aus Italien kamen, gab es einen Schock. Zeitweise standen daraufhin 80 bis 90 Prozent des deutschen Flugverkehrs still. Das hätte niemand zuvor für möglich gehalten. Daraus können wir etwas lernen: Um sofort zu handeln, brauchen wir eine konkrete, sichtbare Bedrohung. Wir sind biologisch darauf geeicht, schnell zu reagieren, wenn wir uns akut bedroht fühlen. In solchen Momenten wird Wollen dann zu Können.

Was bedeutet das für die Klimakrise? 

Die Wissenschaftskommunikation muss neue Wege finden, Fakten zu vermitteln. Die Europäische Umweltagentur hat gemeldet, dass rund jeder achte Todesfall in der EU mit Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung zusammenhängt. Aber diese Zahlen sind nicht mit konkreten bedrohlichen Bildern verbunden. Deshalb fehlt der Handlungsimpuls.

Als Naturfilmer könnten Sie doch emotionale Bilder ins Fernsehen bringen?

Das versuche ich. Allerdings, wie ich Ihrer Frage entnehme, mit zu wenig Erfolg. Als ich ein kleiner Junge war, gab es Zeitungsberichte über Robbenjäger in Skandinavien. Irgendwann zeigte dann ein Fernsehbericht, wie die Jäger mit Knüppeln Robbenbabys erschlugen. Daraufhin brach in Deutschland ein Sturm der Entrüstung los, und niemand kaufte mehr Kleidung aus Robbenfell. Man braucht Emotionen, um Handlungsimpulse zu erzeugen. Im Journalismus dürfen wir emotionalisieren – vorsichtig und verantwortungsvoll. Aber vielleicht sind wir zu vorsichtig.

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QAnon-Verschwörung: Im Hintergrund ging es um profane Interessen

Hinter QAnon hat sich der wohl wirrste und zugleich auch erfolgreichste Verschwörungsmythos der letzten Jahre entsponnen. Recherchen haben bei den Ursprüngen der Geschichte nun sehr profane Antriebskräfte offengelegt. aus LINK vom 30. November 2020

Journalisten des US-Nachrichtensenders NBC News LINK haben die Spuren QAnons über seine Anfänge hinweg zurückverfolgt. Am Ende zeichnet sich ein ziemlich klares und einfaches Bild. Hauptsächliche Triebkraft hinter dem Verschwörungsmythos war nicht etwa ein großer Unruhestifter. Vielmehr lässt sich die überaus erfolgreiche Kampagne auf drei kaum bekannte Nutzer zurückverfolgen, die einfach einen Weg suchten, mit ihren Online-Aktivitäten etwas mehr Geld zu verdienen.

Heute ist QAnon nahezu überall präsent, wo die neue Rechte sich auf den Straßen und im Netz formiert. Ob nun auf den Wahlkampf-Veranstaltungen Donald Trumps oder den Querdenker-Demos hierzulande: Überall laufen viele Menschen mit dem Q-Logo herum. Zu tun hat man es hier mit Anhängern einer Geschichte, wonach eine Machtelite Kinder foltert und missbraucht und es der geheime Regierungsplan Donald Trumps war, diesen das Handwerk zu legen und die Opfer zu befreien. Die Informationen darüber sollten von Q stammen, einem hochrangigen Mitarbeiter der US-Regierung, wobei das Q auf die entsprechende Stufe einer starken Sicherheitsfreigabe hinwies.

Nicht der erste Anon

Besonders originell war dies aber nicht. Für viele Menschen dürfte es wirklich verwunderlich sein, dass solch eine wirre Geschichte, für die es keinen einzigen triftigen Beleg gibt, überhaupt von irgendwem aufgegriffen wird. Zuvor gab es aber schon eine ganze Reihe anderer Anons, die aber weitgehend unbekannt blieben. So wollte ein angeblicher FBIAnon interne Informationen über die Clinton Foundation liefern können. Und ein HLIAnon (High Level Insider) behauptete zu wissen, dass Prinzessin Diana ermordet wurde, weil sie schon früh von den Planungen für die Anschläge des 11. September wusste und diese stoppen wollte.

Neben diesen und einigen anderen tauchte dann eben QAnon als nächste angebliche Geheiminformation auf. Zu den Ursprüngen dessen soll eine YouTuberin namens Tracy Diaz gehören, die lediglich einige tausend Abonnenten vorweisen konnte und einige Zeit eine Talkshow auf dem rechten Nischensender Liberty Movement Radio veranstaltete. Diaz tat sich allerdings mit zwei Moderatoren des 4chan-Boards zusammen. Gemeinsam sorgte man dafür, dass Analysen zu den ersten Q-Postings eine gewisse Aufmerksamkeit auf YouTube erreichten.

Anschließend siedelten sie die Veröffentlichungen auf das noch etwas abgründigere 8chan-Board um und trieben die Debatte um die vermeintlichen Informationen auf mehreren anderen Social Media-Plattformen voran. Das genügte letztlich als Anschub, um QAnon zu einem enorm bekannten Verschwörungsmythos aufsteigen zu lassen, der sich finanziell gut rentierte. Und das nicht nur über die deutlich gestiegenen Abonnenten-Zahlen in Diaz' Kanal und einen rasanten Anstieg der Nutzerzahlen auf 8chan, sondern in erster Linie aufgrund zahlreicher Spenden für "Q-Research" - also die Erforschung vermeintlicher Hintergründe zu der Geschichte.


How three conspiracy theorists took 'Q' and sparked Qanon

Pushing the theory on to bigger platforms proved to be the key to Qanon’s spread — and the originators’ financial gain.

Aug. 14, 2018, 12:25 PM EDT By Brandy Zadrozny and Ben Collins

In November 2017, a small-time YouTube video creator and two moderators of the 4chan website, one of the most extreme message boards on the internet, banded together and plucked out of obscurity an anonymous and cryptic post from the many conspiracy theories that populated the website's message board.

Over the next several months, they would create videos, a Reddit community, a business and an entire mythology based off the 4chan posts of “Q,” the pseudonym of a person claiming to be a high-ranking military officer. The theory they espoused would become Qanon, and it would eventually make its way from those message boards to national media stories and the rallies of President Donald Trump.

Now, the people behind that effort are at the center of a fractious debate among conspiracy enthusiasts, some of whom believe the three people who first popularized the Qanon theory are promoting it in order to make a living. Others suggest that these original followers actually wrote Q’s mysterious posts.

While the identity of the original author or authors behind “Q” is still unknown, the history of the conspiracy theory’s spread is well-documented — through YouTube videos, social media posts, Reddit archives, and public records reviewed by NBC News.

NBC News has found that the theory can be traced back to three people who sparked some of the first conversation about Qanon and, in doing so, attracted followers who they then asked to help fund Qanon “research.”

Qanon is a convoluted conspiracy theory with no apparent foundation in reality. The heart of it asserts that for the last year the anonymous “Q” has taken to the fringe internet message boards of 4chan and 8chan to leak intelligence about Trump’s top-secret war with a cabal of criminals run by politicians like Hillary Clinton and the Hollywood elite. There is no evidence for these claims.

In addition to peeking into the mainstream, the theory has been increasingly linked to real-world violence. In recent months, Qanon followers have allegedly been involved in a foiled presidential assassination plot, a devastating California wildfire, and an armed standoff with local law enforcement officers in Arizona.

What is Qanon? A guide to the conspiracy theory taking hold among Trump supporters

Part of the Qanon appeal lies in its game-like quality. Followers wait for clues left by “Q” on the message board. When the clues appear, believers dissect the riddle-like posts alongside Trump’s speeches and tweets and news articles in an effort to validate the main narrative that Trump is winning a war against evil.

There are now dozens of commentators who dissect “Q” posts — on message boards, in YouTube videos and on their personal pages — but the theory was first championed by a handful of people who worked together to stir discussion of the “Q” posts, eventually pushing the theory on to bigger platforms and gaining followers — a strategy that proved to be the key to Qanon’s spread and the originators’ financial gain.

The anons

Before Q, there was a wide variety of “anon” 4chan posters all claiming to have special government access.

In 2016, there was FBIAnon, a self-described “high-level analyst and strategist” offering intel about the 2016 investigation into the Clinton Foundation. Then came HLIAnon, an acronym for High Level Insider, who posted about various dubious conspiracies in riddles, including one that claimed Princess Diana had been killed because she found out about 9/11 “beforehand” and had “tried to stop it.” Then “CIAAnon” and “CIA Intern” took to the boards in early 2017, and last August one called WH Insider Anon offered a supposed preview that something that was “going to go down” regarding the DNC and leaks.

Qanon was just another unremarkable part of the “anon” genre until November 2017, when two moderators of the 4chan board where Q posted predictions, who went by the usernames Pamphlet Anon and BaruchtheScribe, reached out to Tracy Diaz, according to Diaz’s blogs and YouTube videos. BaruchtheScribe, in reality a self-identified web programmer from South Africa named Paul Furber, confirmed that account to NBC News.

“A bunch of us decided that the message needed to go wider so we contacted Youtubers who had been commenting on the Q drops,” Furber said in an email.

Diaz, a small-time YouTube star who once hosted a talk show on the fringe right-wing network Liberty Movement Radio, had found moderate popularity with a couple of thousand views for her YouTube videos analyzing WikiLeaks releases and discussing the "pizzagate" conspiracy, a baseless theory that alleged a child sex ring was being run out of a Washington pizza shop.

As Diaz tells it in a blog post detailing her role in the early days of Qanon, she banded together with the two moderators. Their goal, according to Diaz, was to build a following for Qanon — which would mean bigger followings for them as well.

On Nov. 3, 2017, just six days after the first 4chan post from “Q,” Diaz posted a video entitled “/POL/- Q Clearance Anon - Is it #happening???” in which she introduced the conspiracy theory to her audience.

“I do not typically do videos like this,” she said, but citing Q’s “very specific and kind of eerie” posts, Diaz explained that she would be covering the 4chan posts, “just in case this stuff turns out to be legit because honestly it kind of seems legit.”

Building a movement

To reach a more mainstream audience (older people and “normies,” who on their own would have trouble navigating the fringe message boards), Diaz said in a blog post she recommended they move to the more user-friendly Reddit. Archives listing the three as the original posters and moderators show they created a new Reddit community called CBTS_Stream, short for Calm Before The Storm, where subscribers soon gathered to talk all things Q.

Their move to Reddit was key to Qanon’s eventual spread. There, they were able to tap into a larger audience of conspiracy theorists, and drive discussion with their analysis of each Q post. From there, Qanon crept to Facebook where it found a new, older audience via dozens of public and private groups.

That audience then started to head to 8chan to check out the original source and interact directly with the posts. (Q posts moved from 4chan to its more toxic offshoot 8chan in November after a post claiming the original board had been “infiltrated.” 8chan became notorious for having no rules, and even hosting child pornography.)

8chan’s owner’s official Twitter account marveled at the influx of older, less internet-savvy visitors to his site, drawn by Qanon. “We joked about it for years, but #Qanon is making it a reality: Boomers! On your imageboard.”

Meanwhile, Diaz kept making videos, racking up hundreds of thousands of views. Over the next several months, Diaz and the two moderators picked up tens of thousands of followers on Reddit and YouTube and added even more moderators to their 8chan and Reddit boards.

They also began to break into what might be considered the mainstream of the conspiracy world. Conspiracy theorist Dr. Jerome Corsi, an Infowars editor and a best-selling author of books about the “deep state,” had taken an interest in Q and was decoding the messages on the Reddit board. In December, Pamphlet Anon and BaruchtheScribe even made an appearance on InfoWars.

Corsi has since disavowed the Qanon conspiracy and called the current Q poster “a fraud,” citing a supposed takeover of the channel by someone posing as Q in April. But last week, facing backlash from his base, Corsi tweeted that he supports the Qanon movement and its supporters’ “excellent research.”

Soon, as Diaz explained on her blog, their expanding crew was spending all their waking hours in chat rooms on the gaming-focused forum Discord analyzing and decoding Q messages and planning for a larger dissemination of Q’s message.

In March, their Reddit board, which boasted some 20,000 subscribers, was shut down by Reddit for “encouraging or inciting violence and posting personal and confidential information,” and the moderators — Diaz and the rest — were banned from the site. Furber had already been booted from the site for allegedly threatening to reveal the personal details of another user, and was pushed out of the private Q discussion groups he had helped form.

“I was very definitely banished,” Furber said, noting that he believes Q’s board has been taken over by imposters.

By then, Pamphlet Anon, whose real name is Coleman Rogers, had developed grander plans. (NBC was able to determine Rogers’ identity through property records that link the address where his business is registered to his parent’s home and to photos from his personal social media account. Those photos show him to be the same person who appears on YouTube as Pamphlet Anon.)

Rogers did not respond to calls seeking comment, but acknowledged his receipt of messages from NBC News via his website’s Twitter, writing in part, “WE DO NOT TALK TO FAKE NEWS.”

Network effect

Kicked off Reddit, Rogers hatched a new plan. He would replace the mainstream media — often a target of Q’s posts — with a constantly streaming YouTube network made up of the self-described “researchers” who were putting together Q’s clues.

Within a month, Rogers, 31, and his wife, Christina Urso, 29, had launched the Patriots’ Soapbox, a round-the-clock livestreamed YouTube channel for Qanon study and discussion. The channel is, in effect, a broadcast of a Discord chatroom with constant audio commentary from a rotating cast of volunteers and moderators with sporadic appearances by Rogers and Urso. In April, Urso registered Patriots’ Soapbox LLC in Virginia.

Rogers and Urso use their channel to call for donations that are accepted through PayPal, cryptocurrencies or mail.

It was a natural progression for Rogers. A review of Rogers’ Facebook page shows he had been active in internet politics and a staunch supporter of Donald Trump during the 2016 campaign, self-identifying as part of the “meme war” — the creation and dissemination of images and internet-style commentary that internet agitators on the chans and Reddit credit with Trump’s win. Rogers often posted memes about “liberal tears” as well as the ludicrous claims that Democrats murdered children and worshipped Satan — details similar to those that would eventually form the Qanon theory.

Rogers’ Facebook updates waned after Trump took office but started up again in the fall, when he began posting “Q” messages to both confused and supportive family and friends.

Rogers has publicly denied that he is the author of the “Q” posts, though his last visible Facebook post, published on Aug. 2, hinted that he might someday be associated with the theory.

“Ten bucks says you see my face on national news within a few weeks, saying that I'm ‘the mysterious hacker known as #Qanon,’” Rogers wrote, a reference to a CNN segment that mistakenly referred to the website 4chan as a hacker.

Following a request for comment from NBC News, Rogers deleted every post on his Facebook profile after 2014. Following another message from a reporter informing him that NBC News had archived his page, he deleted his Facebook account entirely.

Tables turned

As Qanon picked up steam, growing skepticism over the motives of Diaz, Rogers, and the other early Qanon supporters led some in the internet’s conspiracy circles to turn their paranoia on the group.

Recently, some Qanon followers have accused Diaz and Rogers of profiting from the movement by soliciting donations from their followers. Other pro-Trump online groups have questioned the roles that Diaz and Rogers have played in promoting Q, pointing to a series of slip-ups that they say show Rogers and Diaz may have been involved in the theory from the start.

Those accusations have led Diaz and Rogers to both deny that they are Q and say they don’t know who Q is. There is no direct proof that the group or any individual members are behind it.

Still, Qanon skeptics have pointed to two videos as evidence that Rogers had insider knowledge of Q’s account. Some YouTube channels, like one named Unirock, are mostly dedicated to poring over Patriots’ Soapbox livestreams and dissecting purported slip-ups.

One archived livestream appears to show Rogers logging into the 8chan account of “Q.”The Patriots’ Soapbox feed quickly cuts out after the login attempt. “Sorry, leg cramp,” Rogers says, before the feed reappears seconds later.

Users in the associated chatroom begin to wonder if Rogers had accidentally revealed his identity as Q. “How did you post as Q?” one user wrote.

In another livestreamed video, Rogers begins to analyze a supposed “Q” post on his livestream program when his co-host points out that the post in question doesn’t actually appear on Q’s feed and was authored anonymously. Rogers’ explanation — that Q must have forgotten to sign in before posting — was criticized as extremely unlikely by people familiar with the message boards, as it would require knowledge of the posting to pick it out among hundreds of other anonymous ones.

In part because of the mounting claims against Patriots’ Soapbox, the web’s largest pro-Trump community has banned all mentions of Qanon. Reddit’s 640,000-member community r/The_Donald set up an autodelete function for mentions of Qanon’s claims, two moderators confirmed to NBC News, believing the group of YouTubers is making posts as Q.

Still, Patriots’ Soapbox 24-hour livestream remains live on YouTube, broadcasting to its 46,000 subscribers. And despite the growing skepticism of the group, they still have their supporters who ardently believe in the Qanon theory.

“The funniest thing about those who try to discredit Q. They focus on whether Q is real or not, instead of the information being provided,” tweeted one follower. “NO ONE cares who Q is. WE care about the TRUTH.”