Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Texte und Bild aus Seiten des © Ministeriums: Deutschlandweit besteht derzeit ein erhöhter Bedarf an Lehrkräften. Dies gilt auch für Bayern: Betroffen sind die Grund-, Mittel- und Förderschulen. Durch verschiedene Gegenmaßnahmen wird die Unterrichtsversorgung an diesen Schularten gesichert. Kompletter Inhalt des Ministeriums >> LINK

Dienstrechtliche Maßnahmen

Warum sind dienstrechtliche, d. h. verpflichtende Maßnahmen notwendig? Auf freiwilliger Basis hätte jede Lehrkraft den für sie oder ihn optimal passenden Beitrag zur Sicherung der Unterrichtsversorgung leisten können! Freiwillige Beiträge (wie z. B. ein Aufstocken von familienpolitischer Teilzeit) sind ein wichtiger Baustein für die Sicherung der Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr und höchst willkommen! Allerdings werden die für das Schuljahr 2020/21 benötigten 1.400 Vollzeitkapazitäten allein über freiwillige Beiträge nicht gewonnen werden können. Daher ist eine Kombination aus freiwilligen Beiträgen und dienstrechtlichen Maßnahmen bei gleichzeitiger Unterstützung und Entlastung der Lehrkräfte an anderer Stelle vorgesehen.

Maßnahmen v. a. ältere Lehrkräfte

Warum ergreift man nicht andere Maßnahmen, von denen die Lehrkräfte nicht oder weniger stark betroffen sind? In den vergangenen Monaten wurden verschiedenste Möglichkeiten zur Sicherung der Unterrichtsversorgung intensiv diskutiert und geprüft. Auch mit den Verbänden wurde in diesem Zusammenhang gesprochen. Dabei wurde genau zwischen möglichen „Kapazitätsgewinnen“ und den Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen auf die Unterrichtsqualität abgewogen. Als Ergebnis dieser Abwägung wurden beispielsweise folgende Vorschläge, die teils in anderen Bundesländern umgesetzt werden, verworfen: Einstellung von „Seiteneinsteigern“ im großen Stil: Seiteneinsteiger weisen in aller Regel eine fachliche Qualifikation in bestimmtem Umfang, aber keine pädagogische Ausbildung auf. Ein Einsatz von Seiteneinsteigern führt daher zunächst zu einem Verlust an unterrichtlicher Qualität. Kürzung der Stundentafel: Ein Streichen von Unterrichtsstunden ginge ebenfalls zulasten der Unterrichtsqualität oder der individuellen Förderung – und damit zulasten der Schülerinnen und Schüler. Mein Eindruck ist, dass die geplanten dienstrechtlichen Maßnahmen v. a. ältere Lehrkräfte treffen. Stimmt das? Grundsätzlich leisten Lehrkräfte aller Altersgruppen an den Grund-, Mittel- und Förderschulen einen Beitrag zur Sicherung der Unterrichtsversorgung – sei es auf freiwilliger Basis oder im Rahmen der dienstrechtlichen Maßnahmen. Das Aussetzen des Antragsruhestands mit 64 Jahren ist dabei ein wichtiger und leider notwendiger Bestandteil. Andererseits sind beispielsweise Lehrkräfte ab 57 Jahren vom Arbeitszeitkonto an den Grundschulen ausgenommen (siehe hier). Altersermäßigungen werden unabhängig davon weiter gewährt. Auch Altersteilzeit ist in den bekannten Formen (als „echtes“ Teilzeitmodell oder „Blockmodell“ mit Freistellung) weiterhin möglich.

Änderungen bei Teilzeitgenehmigungen

Teilzeit ist auch im kommenden Schuljahr möglich – bei den allermeisten Lehrkräften wird sich nichts oder nur wenig ändern.

Teilzeit in Elternzeit (für Lehrkräfte mit kleinen Kindern, i. d. R. bis zum 3. Geburtstag des jüngsten Kindes) ✔️ weiterhin möglich

Familienpolitische Teilzeit (bis zum 18. Geburtstag des jüngsten Kindes oder bei Pflege von Angehörigen) ✔️ weiterhin möglich

Altersteilzeit (ab dem 60. Geburtstag zum Übergang in den Ruhestand – auch in Form einer Freistellung vor dem Ruhestand) ✔️ weiterhin möglich

Antragsteilzeit (sofern keiner der o. g. Teilzeitgründe vorliegt)

  • ✖️ mit Einschränkungen möglich: Mindeststundenzahl für Lehrkräfte
  • an Förderschulen 23 Wochenstunden (bislang: 20)
  • an Grund- und Mittelschulen 24 Wochenstunden (bislang: 21)

gilt für Lehrkräfte und Fachlehrkräfte; gilt nicht für Förderlehrer, Schwerbehinderte und Schwerbehinderten Gleichgestellte

Stundenreduktion bei begrenzter Dienstfähigkeit (mit amtsärztlichem Zeugnis) ✔️ weiterhin möglich

Arbeitszeitkonto für GS-Lehrkräfte an Grundschulen

Arbeitszeitkonten wurden in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt, um vorübergehend erhöhte Personalbedarfe zu decken. Das Bayer. Beamtengesetz (Art. 87 BayBG) sieht zur Bewältigung solcher Bedarfssituationen ausdrücklich vor, dass die regelmäßige Arbeitszeit über einen längeren Zeitraum ungleichmäßig verteilt werden kann, so wie dies mit dem Arbeitszeitkonto geschieht:

Grundschullehrkräfte erteilen für einen festgelegten Zeitraum eine Stunde mehr Unterricht („Ansparphase“). Nach einer bestimmten Wartezeit folgt die „Rückgabephase“. In dieser wird die in der Ansparphase zusätzlich geleistete Unterrichtsstunde durch eine Verringerung der zu erbringenden Unterrichtsstunden im selben Umfang ausgeglichen. Diese Rückgabephase ist gesetzlich garantiert

am Arbeitszeitkonto beteiligt sind grundsätzlich folgende Lehrkräfte:

  • Lehrkräfte an Grundschulen, die 56 Jahre oder jünger sind und
  • überwiegend an der Grundschule eingesetzt sind

nicht beteiligt bzw. ausgenommen sind folgende Lehrkräfte:

  • Lehrkräfte an Mittelschulen wöchentliche Unterrichtspflichtzeit unverändert bei 27 Wochenstunden
  • Lehrkräfte an Förderschulen wöchentliche Unterrichtspflichtzeit unverändert bei 26 Wochenstunden
  • Lehrkräfte ab 57 Jahren
  • Fachlehrkräfte
  • Förderlehrkräfte
  • Schwerbehinderte (ab GdB 50)
  • Gleichgestellte (auf Antrag)
  • Lehrkräfte mit begrenzter Dienstfähigkeit
  • Lehrkräfte in Probezeit, Lehramtsanwärter

Das Arbeitszeitkonto wird in mehreren Tranchen, gestaffelt nach Altersgruppen und beginnend mit den 50- bis 56-Jährigen, eingeführt. So wird im Schuljahr 2020/21 nur die erste Tranche mit ca. 15 % der rund 33.000 Grundschullehrkräfte im Arbeitskonto „ansparen“.